


Reinhardskirche.
Nach der Reformation und infolge des
Einflußes der jeweiligen Hanauer
Grafenlinie gab es in Kesselstadt ab
1712 eine kleine lutherische Gemeinde.
Da hier kein lutherischer Pfarrer
vorhanden war, mußte der Gottes-
dienst in Hochstadt besucht werden,
bis 1728 ein lutherischer Pfarrer aus
Hochstadt in Kesselstadt wirkte. Graf
Johann Reinhard III von Hanau-
Lichtenberg veranlaßte den Bau einer
Reihe von lutherischen Reinhards-
kirchen, die Baumeister Christian
Ludwig Hermann ausführte: 1717
in Bruchköbel, 1722 Windecken,
1724 Steinau, 1731 Bad Nauheim,
1734 Kesselstadt und 1738 Rodheim
v.d.H. In Kesselstadt war ab da der
lutherische Pfarrer von Hanau
zuständig. Kesselstadts Reinhardskirche war im Obergeschoß Kirche, das Untergeschoß lutherische Schule und Wohnung des Schulmeisters. Bis zur Hanauer Union 1818 bestand die lutherische Gemeinde und wurde der Kirchenraum genutzt. Dann stand er leer. 1837 / 38 wurde umgebaut, das Obergeschoß wurde Ratsstube. Nach 1907
war die Reinhardskirche nur Schulhaus, bis 1964. 1976 Wiederherstellung und seit 1977 Bürgerhaus.
Katholische Kirche St. Elisabeth.
Kesselstadt´s Kirche war von 1275 bis 1553 katholisch geprägt. 1554 wurde die Reformation eingeführt. Danach gab es über 200 Jahre in Hanau und näherer Umgebung nördlich des Mains keine katholische Gemeinde. Der Main war die Glaubensgrenze, Steinheim und Klein Auheim waren katholisch geblieben. Erst Landgraf Wilhelm von Hessen hatte 1787 in der Rebengasse in Hanau einen Betsaal für kath. Christen einrichten lassen. Napoleon gründete 1808 in Hanau eine Pfarrei für Katholiken, jedoch ohne Kirche. Erst 1850 konnte eine Kirche im Bangert in Hanau -Maria Namen- geweiht werden. In Kesselstadt entstand zu Beginn des 20. Jh. eine kleine kath. Gemeinde. 1907 wurde Kesselstadt in Hanau eingemeindet. 1909 erreicht Dechant Braun von Maria Namen die Einrichtung einer eigenen Kurie in Kesselstadt, die Hochstadt, Dörnigheim, Wachenbuchen und Mittelbuchen einschließt, aber noch nicht selbständig ist. In der Hopfenstraße 6 wird ein Betsaal mit Wohnung eingerichtet und am 1.Aug. 1909 hält Kuratus Nüdling das erste Hochamt, den 1. kath. Gottesdienst seit 1553 in Kesselstadt. 1910 erwirbt Fulda ein Grundstück Kastanienalle/ Ecke Hopfenstraße von 3500 qm, worauf ein Missionshaus mit Wohnung und Kapelle eingerichtet wird. 1911 wird die Kapelle St. Elisabeth eingeweiht, nach der hlg. Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, Patronin von Thüringen und Hessen des Deutschen Ordens, 1231 mit 24 Jahren gestorben. Die Kapelle wird bis 1964 genutzt. Nach Umbauten entstand hier, Kastanienalle 68 das Gemeindehaus St. Elisabeth, seit 1968. Zuvor wird 1925 die Kuratie St. Elisabeth in Kesselstadt selbständig. 1962 wird zwischen der Gemeinde und Fulda der Bau einer neuen Kirche auf dem vorhandenen Gelände beschlossen und geplant. 1963 Grundsteinlegung und erster Spatenstich. 1964 Richtfest der Kirche und Turmbau, im Aug. wird die kath. Pfarrkirche St. Elisabeth eingeweiht. Die Pfarrkuratie wird zur Pfarrei erhoben, Pfarrkurator Schönhals zum Pfarrer ernannt. 2004 feiert man 40 Jahre Kirche und 95 Jahre katholische Pfarrgemeinde.
Kurt Ortner
Bereits um 750 n.Chr. wirkt Frühfränkisches
Christentum am Mittelrhein, auch in
Kesselstadt. Bonifatius brauchte hier nicht
zu missionieren, er konnte in Nordhessen
wirken. Frankenkönig Chlodeweg heiratet
eine Christin und nimmt bereits 496 n. Chr.
zusammen mit 3000 edelsten Franken im
Dom zu Reims den röm. katholischen
Glauben an. Das ist der von Mainz
ausgehende Beginn der Christianisierung,
im 6. und 7. Jh., auch für unsere Gegend.
Aus karolingischer Zeit ist überliefert, daß
793 am linken Kinzigufer eine Kirche stand,
das ist die Kinzdorfkirche mit Friedhof.
Im 11. und 12. Jh. bildet sich um diese Kirche
das Kinzdorf. In Kesselstadt entsteht um
750 n.Chr. im südöstlichen Teil des
Römerkastells eine Kirche auf dem Boden
eines fränkischen Königsgutes. Durch
erbliches Lehen kam das Grafengechlecht
der Konradiner in den Besitz dieses Gebietes
einschl. der Wetterau und fiel nach dem Tod
des letzten Konradiner Grafen in die Hände
des salischen Kaisers Konrad II. Sein Enkel,
Kaiser Heinrich IV schenkte 1149 sein
geerbtes Kesselstädter Königsgut dem
Mainzer Stift Sancta Maria ad Gradus.
Das war nun der neue Grundherr, hatte aber
kein Patronatsrecht über die Kirche in Kesselstadt. Dieses übte das Kloster Naumburg bei Windecken aus. Neben Kesselstadt gehörte auch Bruchköbel und Oberissigheim dazu. Im gleichen Jahr ging das Kloster samt Patronat Naumburg in den Besitz des Klosters Limburg a.d. Haardt bei Bad Dürkheim über. Von diesem Kloster kaufte 1561 der Hanauer Graf Philipp III für 18 Tausend Gulden die Patronatsbefugnisse, den Pfarrsitz Kesselstadt sowie das Kloster Naumburg.
1275 tritt Kesselstadt in das Rampenlicht der Geschichte. In einer Urkunde wird erstmalig eine Kirche in Kesselstadt erwähnt: Auf dem „Lindenrain“, einer alten Gerichtsstätte, einem erhöhten Platz am Main, Standort der Maria-Magdalena-Kirche, heute Friedenskirche. Es wird bezeugt, daß ein Rektor Konrad, genannt Spiegel, seinen Wohnsitz in Kesselstadt hatte, ein Advokat und Vogt des Bistums Mainz.
Zur Zeit der Reformation gehört Kesselstadt politisch zum Bücherthal Sitz Hanau, kirchlich zum Kloster Naumburg, Dekanat Roßdorf, Diözese Mainz. Um die Bischöfe zu entlasten, ihre ausgedehnten Bistümer nicht alleine verwalten zu müssen und zu bereisen, wurde das Bistum Mainz in Archidiakonate und diese wiederum in Archipresbyterate (Erzpriesterstühle) aufgeteilt. Kesselstadt gehörte zum Erzpriesterstuhl Roßdorf, dem 1235 dort gegründetem Antoniterkloster. Dieser Erzpriesterstuhl gehörte zum Archidiakonat Unserer Lieben Frau, Mainz. Kesselstadt war keine Filiale von Hanau. Der Kesselstädter Pfarrer hatte einen Kaplan für Dörnigheim, eine Filiale von Kesselstadt bis 1720. Gegen den Widerstand des Erzbistums von Mainz und Kaiser Karl V setzte sich die Reformation durch, zumal die Hanauer Grafen reformiert glaubten, also zwangsläufig auch die Anwohner der Grafschaft. Kesselstadt war bis 1554 katholisch, der letzte katholische Pfarrer starb 1553. Dann wurde die Reformation eingeführt, ab 1554 unter dem 1. ev. Pfarrer, Magister Cless, Windecken. Die auf Kesselstadt Einfluß nehmenden Hanauer Grafen Philipp Ludwig II der Linie Hanau - Münzenberg, der ab 1595 regierte und calvinistisch erzogen wurde und dieses reformierte Bekenntnis durchsetzte sowie die der Linie Hanau - Lichtenberg mit Graf Friedrich Casimir, die gemäß Erbvertrag die Nachfolge der 1642 ausgestorbenen Münzenberger antritt und lutherisch glaubte, prägte das kirchliche Leben in Kesselstadt. In Hanau blieb die Maria-Magdalena – Stifts - Kirche (heute Marienkirche) reformiert und für die entstehende lutherische Gemeinde wurde die Johanneskirche gebaut. In Kesselstadt war die Maria-Magdalena-Kirche reformiert und als sich auch hier eine kleine lutherische Gemeinde bildete, die ab 1712 in Hochstadt den Gottesdienst besuchte, wurde 1734 die lutherische Reinhardskirche nach Graf Johann Reinhard III von Hanau - Lichtenberg gebaut. Mit dem 1555 geschlossenem Augsburger Religionsfrieden und der erworbenen Religionsfreiheit (bezogen auf katholisches oder lutherisches Bekenntnis) und dem Westfälischen Frieden 1648, wonach auch die Reformierten reichsrechtlich anerkannt wurden sowie als 1670 beide protestantischen Bekenntnisse gleichrangig wurden, bauten sich vor diesem Hintergrund die Spannungen zwischen den beiden protestantischen Bekenntnissen ab, was 1817 dazu führte, gemeinsame Abendmahlfeiern durchzuführen. 1818 wurde anläßlich einer Hanauer Synode die evangelisch unierte Kirchengemeinschaft Hanau und Kesselstadt gegründet, eine Vereinigung der reformierten und lutherischen Kirchen. Jetzt war eine Kirche in Kesselstadt zuviel, nämlich die Reinhardskirche. Nun zu den einzelnen Kirchen: Friedenskirche. Am gleichen Platz stand eine rechteckige Saalkirche mit Apsis, wahrscheinlich ein früheres Weberhaus /Gruben-haus, um 750 n.Chr. Dann wird 1275 erstmals eine Kirche in Kesselstadt genannt, am Lindenrain, am gleichen Platz, wahrscheinlich eine Kapelle, die zum Sprengel des Bistums Mainz gehörte und der heiligen Maria Magdalena gewidmet war. Sie stand in Ost-West-Richtung. 1553 wird von der Pfarrkirche gesprochen, mit Friedhof an der Kirche. Auch von einem Altar ist die Rede, der hlg. Katharina oder der hlg. Katharina und Barbara gewidmet, von einem Herrn von Wehrheim gestiftet. Dafür, daß der Altar „besinget“ werde, wird vom Rudolf von Wehrheim und seiner Frau Agnes 3 ½ Hufe Landes zu Kesselstadt, dem Pfarrer und einem Kaplan in Kesselstadt geschenkt, was wohl die Grundlage für den Unterhalt des Kaplans war. 1470/71 wird von Umbauten bzw. Abriß der alten Kirche und dem Neubau einer gotischen Kirche gesprochen, gleichen Namens, Maria-Magdalena. Bei späteren Umbauten wurde ein Stein mit der Jahreszahl 1471 gefunden. 1581 wird wieder umgebaut, 1737 ein neuer Turm errichtet. 1898 erfolgt der Beschluß, diese Maria-Magdalena-Kirche (in Ost-West-Richtung) abzureißen und eine neue, wesentlich größere Kirche zu bauen. 1903 erfolgt der Abriß, dabei werden Funde einer fränkischen Kirche im Chor-Bereich gesichert. 1904 erfolgt der Neubau einer neugotischen Kirche, der ev. Friedenskirche, anstelle der alten reformierten Kirche, jetzt in Nord-Süd-Stellung, um alte Gründungen zu nutzen. Die Einweihung erfolgte am 25. Sept.1904, also vor 100 Jahren (das diesjährige Jubiläum). Sehenswertes sind ein Taufbecken von 1590, 2 alte Opferstöcke von 1696, aus der alten Kirche, ein Ölwandbild von 1860 mit dem Thema Beweinung Christi von Louis Coudres. Die Chorfenster mit den Themen Jesus am Kreuz, Verkündigung und Abendmahl sind vom Groß Auheimer Künstler August Peukert 1954 gestaltet. Sehenswert ist die Kirchturmuhr von 1904, die einzige vollmechanische Turmuhr Hanau´s. Die Orgel wird demnächst überholt.


