


Im Jahre 1603 hat Graf Philipp Ludwig II. mit einem Dekret zur „Judenstettigkeit“ Juden erlaubt, östlich des „Neuen Tors ( Schützenthor )“ eine eigene Gasse, die Judengasse, zu bauen. Bald darauf wird der, hinter dem neuen Festungswall befindliche „Schützenwall“, der keine Verteidigungsfunktion mehr hatte, abgetragen. Schon bald waren 50 Häuser entstanden die meist nur drei Meter breit waren, dafür aber bis zu vier Stockwerke hatten. Etwa 1608 wurde mit dem Bau der Synagoge begonnen. Die Eingänge der Judengasse wurden mit drei Toren verschlossen. Sie befanden sich in etwa an der heutigen Rappengasse, der Badergasse und der heutigen Eberhardstrasse. Hintergrund waren die verschiedenen Lebensgewohnheiten von Christen und Juden, die sich jeweils belästigt fühlten.
Im Jahre 1806, nach der Einnahme Hanaus durch französische Truppen, werden die angrenzenden Befestigungsanlagen und Tore der Judengasse durch die französische Besatzungsmacht abgebaut.
Einhergehend wurden die Juden den Hanauer Bürgern in ihren Rechten in etwa gleichgestellt. Die Juden durften außerhalb der Judengasse Wohnen und Besitz erwerben. Umgekehrt durften nichtjüdische Bürger in der Judengasse Wohnen.
Nachdem bereits viele Juden die Judengasse im 19. Jahrhundert verlassen hatten, beantragten die „Neuen Bewohner“ der Judengasse bei der Stadt Hanau die Änderung des Straßennamens. Die Stadt genehmigte 1898 die neue Bezeichnung „Nordstraße“.
Trotz der Umbenennung der Straße hat sich bis in die heutige Zeit der Begriff der „Juddegässer“ erhalten, wenn dies auch mehr auf die Sozialen Verhältnisse, laut Augenzeugenberichten, zurückzuführen war, obwohl kaum bzw. kein Jude dort bis zum Ende des 2. Weltkrieges mehr gewohnt hatte.
Heute ist das Gesicht der Nordstraße, wie in den meisten Straßen Hanaus, ein ganz anderes geworden. Es ist das Gesicht der Nachkriegsgeschichte, das sich bis in die heutige Zeit wenig verändert hat, und die Verhältnisse sind mit denen vor dem Krieg nicht zu vergleichen.
Die Bilder zeigen einen Blick von verschiedenen Seiten auf die Kreuzung der Straßen Im Schlosshof / Nord- und Eberhardstraße.



Bild 1: Blick auf die Ecke Nord/Eberhardstr., von der Strasse Im Schlosshof aus gesehen. Auffällig das Gebäude an der Ecke Nord / Eberhardstr., das im Besitz der alteingesessenen Hanauer Familie Döhring ist.
Bild 2: Rondell am Schlossgarten, mit Blick auf den Schlossgarten und dem ehemaligen Stadtschloss.