


HSB Chronik
(Gekürzte Fassung)
Die Entstehung des Eisenbahn-netzes im Frankfurter Raum um 1845 war für die Verkehrsverhältnisse in und um Hanau von größter Bedeutung. Durch sie wurde die Stadt zum Verkehrsknotenpunkt. Die Eisenbahnen hielten in den zunächst isoliert stehenden Bahnhöfen, darunter der Ostbahnhof (später Hauptbahnhof ).
Die Bevölkerung wuchs, immer mehr Wohnraum wurde geschaffen. Von 1870 an war Hanau Garnisonstadt. Die immer dringlichere Frage nach einem öffentlichen innerstädtischen Verkehrsmittel wurde 1907 mit der Gründung der Hanauer Straßenbahn AG be-antwortet. Regierungspräsi-dent Graf von Bernstorff erteilte der Stadt Hanau am 27.Mai 1908 die Genehmigung zur Herstellung einer vollspurigen Kleinbahn.
Am 15. Juni 1908 fuhr die erste Tram der Linie 1 durch die Stadt, am 8. August die zweite auf der Linie 2. Die beiden Gleisstrecken hatten eine Gesamtlänge von 5,19 Kilometern. Die Linie 1 vom Hauptbahnhof quer durch die Stadt zur Rosenau war mit 3,34 Kilometern die längere. Die Linie 2 führte vom West- zum Nordbahnhof.
Hanau war die dritte Stadt im Rhein-Main-Gebiet, die den Straßenbahnbetrieb aufnahm.
Die Hanauer Bevölkerung nahm die Straßenbahnzüge schnell in Beschlag, zumal der Fahrpreis auf den ersten drei Kilometern je Dreieindrittel Pfennige und weitere Kilometer vier Pfennige kosteten. Für Fahrten bis 2,8 Kilometer wurden zehn Pfennige kassiert, für längere Fahrten (vom Hauptbahnhof bis zur Rosenau oder zum Nordbahnhof) 15 Pfennige.
Die Öffentlichkeit geizte nicht mit Lob und Anerkennung. Im Hanauer Anzeiger wurden die gut gebauten Wagen, ihre ruhige Fahrt und die Bequemlichkeit für die Fahrgäste gerühmt und vor allem die elektrische Wagenbeheizung hervorgehoben.
Die zehn Trams beförderten in den ersten zwölf Monaten 1,4 Millionen Fahrgäste. Das Verkehrsnetz wurde bereits im September 1909 auf Groß-Steinheim und Klein-Steinheim ausgeweitet. 1910 sollte Großauheim hinzukommen, doch lehnte der Landkreis Hanau die Mitfinanzierung ab.
Die schwierigen Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bescherten der Hanauer Straßenbahn AG ernste Probleme. Wegen der Inflation schloss das Geschäftsjahr 1919/20 mit einem Fehlbetrag von 380.000 Mark. Da der Magistrat nicht bereit war, Betriebszuschüsse zu leisten oder den Straßenbahnbetrieb zu übernehmen, musste am 5. November 1920 der Konkurs eröffnet werden. 1921 und 1922 lief der Straßenbahnbetrieb im Auftrag des Konkursverwalters in bescheidenem Rahmen weiter. Auf dem Gipfel der Geldentwertung wurde im September 1922 der Betrieb eingestellt.
Mit dem Ende der Inflation und der Einführung der Rentenmark forderte die Stadtverordnetenversammlung, den Konkurs aufzuheben. Die Gläubiger wurden befriedigt, und 1924 konnte der Fahrbetrieb wieder aufgenommen werden.
Da mit der Reichsbahn keine Vereinbarung zur Gleis-überquerung am Nordbahnhof zustande kam und die Straßenbahnschienen vor der
Bahnschranke endeten, nutz-ten private Busunternehmer diesen für die HSB misslichen Umstand und richteten Busverkehre ein.
Die HSB entschied, ebenfalls Buslinien anzubieten, mit denen vor allem Kesselstadt, Wilhelmsbad und das Lamboygebiet erschlossen werden sollten. Im Frühjahr 1928 rollten zwei fabrikneue Omnibusse durch Hanau.
Während der Busverkehr zwischen Nordbahnhof und Yorckstraße wenig Anklang fand, erfreuten sich die Busse, die sonntags zwischen Rosenau und Wilhelmsbad verkehrten, großen Zuspruchs. Aufgrund der guten Erfahrungen wurde 1928 die Straßenbahnlinie Westbahnhof - Nordbahnhof von einer durchgehenden Omnibuslinie Kesselstadt - Westbahnhof - Marktplatz - Nordbahnhof - Chemnitzer Straße (damals Yorckstraße) abgelöst. Die Inanspruchnahme der Busse war so gut, dass der Fahrzeugbestand auf acht Omnibusse erhöht wurde.
Die Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre brachte die HSB abermals in ernste Schwierigkeiten. Die Hanauer Straßenbahn musste Personal abbauen und den Fahrplan ein-schränken. 1934 stiegen die Fahrgastzahlen wieder. 1937 wurden 1,9 Millionen Personen
befördert. 1943 erreichte das Fahrgastaufkommen mit mehr als fünf Millionen Fahrgästen seinen Höhepunkt. Um den An-drang zu bewältigen, wurden von 1942 an Busanhänger eingesetzt. Die Straßenbahnen fuh-ren schon 1940 mit Anhängern.
Wegen der schweren Luftangriffe auf Hanau kam der Straßenbahnbetrieb zum Kriegs-ende zum Erliegen. Das Bombardement am 19. März 1945 besiegelte das Schicksal der Hanauer Straßenbahn. Die Betriebsgebäude wurden zerstört. Die wenigen noch betriebsfähigen Omnibusse gingen bei der Flucht der Behörden vor den am 28. März einmarschierenden US-Amerikanern verloren oder wurden von den Besatzungstruppen beschlagnahmt.
Mit dem verbliebenen Personal konnten aus den Trümmern einige noch intakte Maschinen geborgen und drei beschädigte Busse instandgesetzt werden. Mit diesen Fahrzeugen wurden im Herbst 1945 Handwerker aus der Gegend von Somborn und Rommelhausen zum Wiederaufbau nach Hanau gefahren. Im Frühjahr 1946 dienten sie als Schulbusse zur Beförderung von Kindern aus dem Freigerichtviertel zur Geibelschule nach Kesselstadt, die als einzige Schule der Stadt unzerstört war.
Die kriegsbedingten Zerstö-rungen standen einer Wiederaufnahme des Schienen-verkehrs entgegen. Die Gesellschafter beschlossen deshalb, alle Kraft in den Omnibusverkehr zu stecken. Der Marktplatz wurde wie ehedem zum Verkehrsmittelpunkt. Den steigenden Fahrgastzahlen begegnete die HSB mit dem Ausbau des Streckennetzes und der Vergrößerung des Wagenparks.
1952/53 wurden Werkstatt und Wagenhalle auf dem Depotgelände erweitert, ein Neubau für die Verwaltung erstellt. Der Omnibusbahnhof auf der Ostseite des Freiheitsplatzes löste 1954 den Marktplatz als Knotenpunkt ab.
Die sechziger Jahre standen im Zeichen des Baubooms. Neue Stadtviertel mussten angebunden, das Liniennetz zwangsläufig ausgebaut werden. Weil Omnibusanhänger verboten wurden, schickte die HSB Eineinhalbdecker und Gelenkzüge auf die Strecke.
Die HSB verfügte 1964 über 38 Omnibusse, mit denen fast zehn Millionen Fahrgäste befördert wurden. Der ständig wachsende Fuhrpark erforderte die Verlagerung des Straßenbahndepots an den Stadtrand. 1967 wurde an der Daimlerstraße die neue Anlage mit Betriebshof, Werkstatt, Wasch- und Pflegehalle sowie Verwaltungsgebäude in Betrieb genommen.
1969 kamen in den städtischen Bussen erstmals Entwerter für Sechserkarten-Inhaber zum Einsatz. Um Fahrgästen an stark frequentierten Haltestellen Schutz gegen Wind und Regen zu gewähren, wurden Wartehäuschen aufgestellt.
Die Einführung des Sprechfunks 1976 verbessert die Kommunikation zwischen den Busfahrern und der Zentrale. Der Ausbau des Streckenetzes wurde 1981 mit der Anbindung Bruchköbels zunächst beendet.
Mit den Jahren veränderte sich der Fuhrpark der HSB. 1982 wurden die ersten umweltfreundlichen „Flüsteromnibusse“ angeschafft, ab 1994 nur noch Niederflurbusse, die das Aus- und Einsteigen erleichtern. Das neue Kundenzentrum auf dem Freiheitsplatz öffnete 1996 seine Schalter.
Mit der Übernahme der Kraftverkehr Kinzigtal GmbH (KVK) mit Sitz in Hasselroth im Jahr 2000 wurde das Verkehrsgebiet im Laufe der folgenden Jahre im Rhein-Main-Gebiet und in Osthessen erheblich ausgeweitet.
2001 wurde die Idee geboren, in Hanau nach mehr als 50 Jahren wieder eine Straßenbahn fahren zu lassen. Pläne nahmen relativ konkrete Formen an. Es wurden intensive Debatten pro und contra geführt. Letztlich erwies sich das Vorhaben der HSB aus Sicht der Kommunalpolitik als nicht finanzierbar.
Im Februar 2002 begann dagegen eine Erfolgsgeschichte: Als erstes Unternehmen in Deutschland führte die HSB gemeinsam mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) die innovative Technologie des „Electronic Ticketing“ im öffentlichen Nahverkehr ein: die Chipkarte get>>in. 2005 kam die Möglichkeit hinzu, sich per Handy an- und abmelden und bargeldlos Bus fahren zu können. – Eine Innovation, die weltweit Beachtung fand.
2003 schuf die HSB neue Geschäftsfelder: Für ein eigenes Car-Sharing-Modell standen drei knallrote, unterschiedlich große Autos bereit. Und in einem Anhänger lockte die HSB Radler zu Touren, bei denen sie ihre Velos teils von der HSB transportieren lassen konnten. Die Angebote wurden nicht wie gewünscht angenommen und deshalb 2005 wieder eingestellt.
In einem vom RMV gestützten Modellversuch verband 2004 die MainLinie Hanau mit dem Frankfurter Flughafen und Rüsselsheim. Damit wagte sich die HSB erstmals wieder auf die Schiene mit aus Karlsruhe ausgeliehenen Regional-Straßenbahnen. Der Weiterbetrieb der MainLinie scheiterte noch im gleichen Jahr an der Finanzierung.
Die 2004 eingeführte Videoüberwachung des Busbahnhofs auf dem Freiheitsplatz verbesserte das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste.2005 baute die HSB ihr Verwaltungsgebäude in der Daimlerstraße aus. Vier Stockwerke sind nunmehr barrierefrei erreichbar.
Nach einer wirtschaftlichen Krise trennte sich die HSB 2006 von ihren Tochterunternehmen – mit dem Ziel, sich auf das Bus fahren in Hanau und nach Bruchköbel zu beschränken. Die städtische BeteiligungsHolding übernahm von den Stadtwerken Hanau die HSB als 100prozentige Tochter und wandelte sie in eine GmbH um. Die 2003 als strategische Partnerin eingestiegene Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main GmbH (VGF) gab ihre Minderheitenanteile wieder zurück.
Die KVK verkaufte und verlor ihre Verkehre außerhalb Hanaus 2006 und 2007.
Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2007 sagen Hanauer Schülerinnen und Schüler in den Linienbussen Haltestellen an. Mit diesem Novum hat die HSB hessenweit ein Alleinstellungsmerkmal.
Anlässlich ihres 100. Geburtstags schickt die HSB Anfang 2008 einen Jubiläumsbus auf Linienverkehr. Auf dem Bus ist die erste Hanauer Straßenbahn abgebildet.
Die Redaktion dankt der HSB, die uns den Text der Chronik der HSB zur Verfügung stellte.
Hanauer Straßenbahn GmbH
100 Jahre Hanauer Straßenbahn
– eine Geschichte mit Höhen und Tiefen
( gekürzte Fassung )
Genau genommen ist die Hanauer Straßenbahn (HSB) schon 2007 hundert Jahre alt geworden. Denn die Gründungsversammlung der HSB-Aktiengesellschaft war bereits am 28. März 1907. Allerdings bezog die HSB ihre Jubiläen später stets auf die Betriebseröffnung mit der Straßenbahn-Linie 1 vom Hauptbahnhof über den Marktplatz zur Rosenau am 15. Juni 1908. Die zweite Linie startete wenig später, am 8. August, und verkehrte zwischen West- und Nordbahnhof.
Für die Hanauer Bürgerschaft war der 15. Juni 1908 allemal der große Gründungstag. Denn wer historische Quellen studiert, der erfährt, wie gespannt sie auf die „Elektrische“ war und wie das neue, moderne Verkehrsmittel im „Hanauer Anzeiger“ über Gebühr gelobt wurde.
So nahm die HSB abermals den 15. Juni zum Anlass, um im Jahr 2008 ihren 100. Geburtstag gebührend auf ihrem Betriebsgelände in der Daimlerstraße zu feiern.
Nach ihrer wirtschaftlichen Krise, die seit 2005 ein Sanierungsprogramm nach sich gezogen hat, blickt die HSB mittlerweile wieder optimistisch in die Zukunft. Solche Tiefen sind in der historischen Entwicklung des Unternehmens nichts Neues, aber immer wieder folgten Höhen. So ging die HSB 1923/24 mitten in der Weltwirtschaftskrise in Konkurs und musste den Fahrbetrieb vorübergehend einstellen. Die fast totale Zerstörung Hanaus im Zweiten Weltkrieg führte auch zum Ende der Straßenbahn. 1945 begann die HSB wieder mit dem Busverkehr, den sie 1928 parallel zur Tram eingeführt hatte. Zunächst beförderte sie nur Schüler in der Stadt, dazu baute sie einen alten Lastwagen der US-Armee um und nutzte dessen Chassis.
Ihren heutigen Standort in der Daimlerstraße bezog die HSB 1967. Vorher war ihr „Depot“ in der Leipziger Straße neben dem Stadtwerke-Areal. Die Stadtwerke waren bis 2006 auch die Unternehmensmutter der HSB, dann wurde diese der städtischen BeteiligungsHolding Hanau zugeordnet.
Joachim Haas-Feldmann
