


Das Platanenfieber
Eine unwürdige Rolle bei der Diskussion um den Freiheitsplatz spielt der Ortsverband der Hanauer Grünen und Teile der Fraktion. Hat man die Diskussion in der Anfangsphase 2004 nach dem Architektenwettbewerb schlicht verschlafen, weil man dachte, dass der Freiheitsplatzumbau doch nicht kommen werde, so versucht man sich mit dem Erhalt von 5 Platanen auf dem Gelände des geplanten Einkaufszentrum zu profilieren.
Nicht nur, dass bisher wenig Substanzielles in die Diskussion um den Freiheitsplatz und zur Stadtentwicklung von grüner Seite eingebracht worden ist, so entbehrt es nicht einer gewissen Pikanterie, dass der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Grünen, Elmar Dietz, den 2. Preis des Architektenwettbewerbes, der auch Mitglied der damaligen Jury war, in einem Gespräch positiv bewertete. Wäre dieser mit der vorgesehenen Bebauung der Platznordseite verwirklicht worden, so hätten mindestens 2 oder 3 der Platanen weichen müssen.
Man hatte von Seiten der damaligen Grünen sich wenig um die öffentliche Meinung der Bürgerschaft gekümmert, die gegen diesen 2. Preis massiv Stellung bezogen hatte. Den Erhalt der Platanen hatte die alte Fraktion wenig oder gar nicht im Blick, ebenso wenig wie die Gründe, warum sich die Bürgerschaft wehrte. Auf diesem Hintergrund wirkt die Diskussion heute um die 5 Platanen absurd.
Erstens: wenn das Einkaufszentrum mit 20.000 qm gebaut wird, dann fallen nicht nur diese 5 Platanen. Es gibt auf dem Freiheitsplatz noch eine ganze Reihe anderer erhaltenswerter Bäume, die diesem Projekt zum Opfer fallen könnten. Zweitens: Grüne, die diese Haltung einnehmen, müssen sich fragen lassen, ob sie die Stadtentwicklung auf dem Freiheitsplatz von dem Erhalt dieser 5 Platanen abhängig machen wollen. Muss man sich nicht auch damit beschäftigen, dass bei einem geplanten Einkaufszentrum in Hanau ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb einsetzt, der zur Abwertung der 1a Lagen und zu zahlreichen Ladenleerständen führen kann? Drittens: Logisch und vernünftig wäre es, wenn die Grünen sich um eine Ausgleichsmaßnahme für Bäume, die nicht zu retten sind stark machen würden, um dem Umweltschutzgedanken genüge zu tun.
2004 hatten Hanauer Bürger eigene Vorstellungen und Pläne für eine Gestaltung des Freiheitsplatzes entwickelt und dafür 2500 Unterschriften gesammelt, um eine zu massive Bebauung des Platzes zu verhindern. Übrigens haben damals viele Grüne und fast alle Fraktionsmitglieder der Grünen diese Unterschriftenlisten und Pläne unterschrieben. Diese beinhalteten 2 Baufenster gegenüber von Karstadt und Sport-Barthel, allerdings in wesentlich kleineren Dimensionen, als es für das geplante Einkaufszentrum heute vorgesehen ist. Diese Baufenster hätten ebenso dazu geführt, dass ein Teil der Platanen nicht zu erhalten gewesen wäre. Es musste eine Güterabwägung stattfinden, da die Absicht bestand, die Altstadt stärker an die Neustadt anzubinden.
In der jüngsten Diskussion um den Freiheitsplatz wird deutlich, dass viele Grüne bei der Forderung zur Erhaltung der 5 Platanen einen Tunnelblick entwickelt haben. Stadtentwicklung und die Probleme, die durch ein überdimensioniertes Einkaufszentrum entstehen können, scheinen Fremdworte für die Mehrheit der heutigen Grünen zu sein.
Großen Wert legt man in der Grünen Partei auf „Basisarbeit und Basisdemokratie". Wenn jedoch Vertreter des heutigen Ortsverbandes der Grünen auf einer Sitzung zum Thema Freiheitsplatz erscheinen, kann es leicht passieren das einem die Worte im Munde herumgedreht werden, wie das im Gesprächskreis Innenstadt geschehen ist. Eine differenzierte Meinung zum Freiheitsplatz ist selten zu hören. Es gilt eben nur die eigene Wahrheit zu kultivieren, dass die 5 Platanen „gerettet“ werden müssen. Man begnügt sich damit, das Klischee aufrecht zu erhalten, dass die Grünen die alleinigen „Hüter der Umwelt" sind.
Nun kann man spekulieren, wie es mit den 5 Platanen auf dem Freiheitsplatz weitergeht. Der erste Investor, der seine Vorstellungen zum Bau eines Einkaufszentrums vorgelegt hat, hat schon mal klar gemacht das die meisten Platanen und viele weitere große Bäume dem Projekt weichen müssen. Auf der gleichen Veranstaltung sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky, dass der Investor für die Platanen eine Lösung finden müsse. Da kann es leicht passieren, dass die Gebäude für ein Einkaufszentrum noch mehr in den Platz hineingebaut werden was zu einer noch massiveren Bebauung des Freiheitsplatzes führen wird und noch mehr Bäume werden gefällt. Der Hintergrund ist eine Vereinbarung des regierenden Kleeblattbündnisses aus SPD, FDP, BfH und Grünen. Schlau wie man war, hat man hineingeschrieben: " Ziel ist es, die
5 Platanen auf dem Freiheitsplatz zu erhalten“. Konsequent zu Ende gedacht heißt das, dass alle vier Parteien eine Stadtgestaltung an dieser Stelle von dem erhalt der fünf Platanen abhängig machen. Dies sollte man sich, unabhängig davon wie man zu dem geplanten Einkaufszentrum steht, auf der Zunge zergehen lassen.
Gerhard Ziegler