Hanau-Info
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Zeitung für Hanau, seine Stadtteile und zur Belebung der Hanauer Innenstadt

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BEFESTIGUNG DER SÜDSEITE MIT BASTEIEN UND RUNDELLEN.

UM 1528 – 1540.


Ansicht : Aus dem Stich von Dreyeicher um 1680.


Grundriß : Nach einer Zeichnung von 1661 (Grenzregulierung zwischen Alt- und Neu-Hanau) im Staatsarchiv Marburg und im

Geschichtsvereinsarchiv.


Zeichenerklärung des Grundrisses: Ⓐ . Bastei, später bezeichnet als „Gallerie samt Garten, worauf der Gärtner wohnt.“

Ⓑ Commißbäckerei und Judenschirn. Ⓒ Zeughaus. Ⓓ Brücke zwischen Alt- und Neustadt Ⓔ Soldatenjustiz. Ⓕ Stockhaus.

Ⓖ Hauptwacht nebst Gefängnis. Ⓗ Altstädter Schützenhaus. Ⓙ Ein herrschaftl. Garten. Ⓚ Das große Rondell. Ⓛ Das kleine Rondell, worinnen die Eisgrube ist (die Grundmauern sind heute noch am Graben vor der kathol. Kirche erhalten). Ⓜ Pulvertürme.

Ⓝ Neues oder Schützenthor, früher „äußerstes Kinzdorferthor“ genannt. Ⓞ Kinzdorferthor. Ⓟ Hohe Landesschule.


Der Freiheitsplatz war seit der Neustadtgründung Hanaus schon immer Nahtstelle zwischen Alt- und Neustadt. Nach der Abtragung der Befestigungsanlagen war dieser Bereich lange Zeit von jeglicher Bebauung freigestellt worden. Aufgrund der städtebaulichen Entwicklung Hanaus wurde das Gebäude in zwei eigenständige Plätze mit unterschiedlicher Funktion geteilt. Der westliche Teil war eine mit Bäumen bestandene Esplanade, in den das alte Stadttheater hineinreichte. Der östliche Teil war durch die ehemalige Infanteriekaserne (heutiges Finanzamt) begrenzt und auf ihm stand das alte Zeughaus. Der Platz wurde durch die damaligen Soldaten genutzt und als Paradeplatz bezeichnet. Durch den 2. Weltkrieg wurde fast ganz Hanau zerstört. Das Stadttheater und das Zeughaus, dessen Grundmauern noch standen, wurden nicht wieder aufgebaut. Damit veränderten die Plätze ihr Gesicht und es entstand ein großer Platz, der Freiheitsplatz. Auf der Ostseite entstand ein großer Platz, der Freiheitsplatz. Auf der Ostseite entstand schon bald ein Busbahnhof. In den fünfziger Jahren wurde der Platz durch Hochhausbebauung auf der Nordseite und zwei- und viergeschossige Kammbebauung auf der Südseite eingerahmt. Der Westteil war lange Zeit ein freier Platz, der später als Parkplatz umgebaut wurde und heute noch als solcher genutzt wird.

Um die Weiterentwicklung des Freiheitsplatzes gab es schon in den 80er Jahren vielfältige Diskussionen, die aber alle mehr oder weniger im Sande verlaufen sind. Es gab seither nur unwesentliche Veränderungen.

Die Diskussion um eine Umgestaltung des Freiheitsplatzes ist nicht losgelöst von der Entwicklung unserer Stadt, insbesondere der Innenstadt, zu sehen. Dies betrifft die städtebauliche Entwicklung ebenso wie die Entwicklung von Einzelhandel und Dienstleistungsbetrieben. Aber auch die kulturelle und vor allem soziale Entwicklung ist von großer Bedeutung. Weitere Punkte sind die Innenstadtbegrünung, Verkehrsentwicklung und Umweltbelastung die als wichtige Aspekte berücksichtigt bzw. bedacht werden müssen. Das jedenfalls sind die Rahmenbedingungen, die in die Planung mit einbezogen werden müssen, um nicht Fehlentwicklungen vorzubeugen, wenn der Freiheitsplatz verändert wird. Um es hier an dieser Stelle unmissverständlich zu sagen, der jetzige Zustand des Freiheitsplatzes in seiner Funktion ist stark veränderungsbedürftig. Es muss aber bei aller Notwendigkeit der Umgestaltung darauf geachtet werden, dass hier nichts verschlimmbessert wird.

Die Stadt Hanau ist nunmehr, nach mehr als 20jährigen Diskussionen, dabei die Neugestaltung des Freiheitsplatzes ernsthaft in Angriff zu nehmen. Im Jahr 2003 wurde ein Wettbewerb unter Architekten ausgeschrieben, dessen Ergebnis uns heute vorliegt. Die Stadt hat acht Pläne angekauft, die in der engeren Wahl liegen. Das Besondere daran ist, dass es keinen ersten Preis gab - alle Entwürfe waren irgendwie unbefriedigend. Dies wurde von Seiten der Stadt bisher vorgestellt - ohne ihre eigenen Vorstellungen darzulegen. Die Bürger wissen nicht, woran sie sind und welche Vorstellungen die Stadt hat.

Ein ganz wichtiger Aspekt der Umgestaltung ist die stärkere Anbindung der Altstadt an die Innenstadt sowie eine Verlegung des Parkplatzes auf der Westseite in eine Tiefgarage auf der Ostseite. Damit wird es ermöglicht auf der Westseite eine parkähnliche Fläche anzulegen. Desweiteren ist der Busbahnhof auf der Ostseite zu modernisieren. Dies ist ohne Leistungseinbußen auf einer geringeren Fläche zu ermöglichen. Bis hierhin ist wahrscheinlich die größte

Übereinstimmung zu erzielen.

Ablehnung gab es übereinstimmend jedoch gegenüber einer massiven Hochbebauung auf dem Freiheitsplatz, wie sie z.B. im 2. Preis des Wettbewerbs vorgesehen ist. Diese wirkt wie eine Mauer (da hätte man gleich wieder die alte Stadtbefestigung errichten können) gegenüber der Altstadt verstärkt durch ein zusätzliches Verkehrsaufkommen auf der Nordseite des Freiheitsplatzes. Dieses entsteht durch die Ein- und Ausfahrt in die Tiefgarage, die Umorganisation des Abflusses der Busse auf der Ostseite, die Herausnahme des Individualverkehrs aus der Mühlstr. Der Individualverkehr wird wiederum verstärkt in die Nordstr. gelenkt. In die Nordstr. fließt außerdem zusätzlich Verkehr durch den Umbau der Wilhelmsbrücke, die verbreitert wird und damit mehr Verkehr aufnehmen kann. Durch die Nordstr. und Hospital-/Bangertstr. fließt der gesamte Verkehr, der in die Tiefgarage will. Die Nordseite des Freiheitsplatzes wird also durch ein erhebliche größeres Verkehrsaufkommen belastet.

Wie die Jury diesen 2. Preis vergeben konnte, obwohl er unserer Meinung nach in mindestens in zwei Fällen gegen die Vorgaben des Wettbewerbes verstieß, bleibt deren Geheimnis. Wir zitieren aus den Wettbewerbskriterien der Stadt Hanau: „Als wesentliche Grenze der Neubebauung ist die Flucht der Fahrstraßen – Ostseite anzusehen.“ auf Seite 36 und auf Seite 38: „..., wird eine Baumasse von insgesamt max. 9000 qm BGF für möglich gehalten.“ Der 2. Preis sieht eine Bebauung auf der Nordseite der Westseite vor und ca. 12.000 qm BGF vor.

Hier wird es langsam komplex, denn es ist auch einmal zu hinterfragen, warum 9.000 qm Fläche einem Investor zum vermarkten angeboten werden soll. Damit geht einher eine massive Oberflächenbebauung des Freiheitsplatzes, die aber von der Hanauer Bevölkerung abgelehnt wird.

Das HANAU-INFO will hier den Beitrag zu diesem Thema in dieser Ausgabe abschließen. In der nächsten Ausgabe werden weitere Beiträge dazu folgen.


Gerhard Ziegler

Hanau-Info, Freiheitsplatz, Hanau,  Juni 2004
Hanau-Info, Hanau, Freiheitsplatz

Altstädter Festungsanlagen

auf die heutige Bebauung des Freiheitsplatzes projiziert.


Quelle: Stadtzeit Nr.6, Seite 165 aus dem Artikel

„Paradeplatz-Altstadt“ von Gerhard Bott


Durch die Neugestaltung des Hanauer Freiheitsplatzes werden bei Grabungen die Reste der alten Stadtmauern freigelegt. Der Freiheitsplatz ist eines der geschichtsträchtigsten Plätze in Hanau. Keiner kann genau sagen was bei Grabungen außer den Fundamenten der Befestigungsanlagen alles zum Vorschein kommen wird. Hier ist ein sensibles Vorgehen angebracht. Den Archäologen sollte genügend Zeit eingeräumt werden, um eventuelle Funde zu sichern und dokumentieren. Archäologische Funde sollten im Rahmen einer „archäologischen Stadtbaustelle“, durch eine „archäologischen Promenade“ oder durch „archäologische Fenster“ den Bürgern und Besuchern Hanaus als stadtgeschichtliche Attraktion zugänglich gemacht werden.

Der Freiheitsplatz Hanau