


Bild von Rautie
Leserbrief von Mitgliedern des überparteilichen Gesprächskreises Innenstadt
Seit nunmehr einem Jahr hängt der Umbau bzw. die Neugestaltung des Freiheitsplatzes in der Luft und kommt nicht voran. Obwohl es sich um ein drängendes Problem handelt, hat die Politik den Einzelhandel, die Anwohner, Immobilienbesitzer, sowie die Hanauerinnen und Hanauer bisher darüber im Unklaren gelassen, wie es in dieser Frage weiter gehen soll. Der Baudezernent hat die Pläne zur Umgestaltung des Freiheitsplatzes eingestellt, obwohl im Jahr 2005 die Baufenster von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurden. Der Grund dafür sind Pläne des Karstadt-Konzerns dort ein Shopping-Center mit einer Verkaufsfläche von mindestens 25.000 qm zu bauen. Während der mehrjährigen Bauphase, die uns eine Jahrhundertbaugrube bescheren wird, werden viele Hanauer Geschäfte auf der Strecke bleiben. Für viele andere wird nach der Eröffnung des Shopping–Centers das „Aus“ kommen.
Das Ganze wird durch die Tatsache verschärft, dass die Stadt zwei weitere Einkaufszentren errichten will:
eines auf dem ehemaligen Schlachthof mit 7.500 qm
und ein weiteres auf dem Gleisbauhof mit 27.000 qm.
Diese Entwicklung macht uns große Sorgen, da dies auf einen Verdrängungswettbewerb hinaus läuft, bei dem es mehr Verlierer als Gewinner geben wird. Bei sinkender Kaufkraft und rückläufigen Umsätzen macht die gleichzeitige Entwicklung dieser drei Areale keinen Sinn.
Auch wir sind für die Weiterentwicklung unserer Stadt, denn wir müssen uns jeden Tag den neuen Situationen des Alltags stellen. Das ist nichts neues für uns, aber etwas anderes ist es, wenn diese Entwicklung mit dem Holzhammer durchgedrückt werden soll. Eine Beteiligung auf gleicher Augenhöhe, bei der alle Seiten über alles informiert wurden, hat bisher nicht stattgefunden, weder von der Politik und erst recht nicht von den Investoren. Viele bestehende Geschäfte in der Innenstadt werden einen hohen Preis dafür zahlen, damit Karstadt und andere Filialisten ihren Umsatz steigern können. Ob die Anwohner bei dieser Entwicklung zu den Gewinnern gehören werden, ist mehr als fraglich.
Wir, die Unterzeichner dieses Schreibens, fordern deshalb:
- Offenlegung aller Informationen, insbesondere der Gutachten zu den geplanten Einkaufszentren
- Eine öffentliche Debatte zu der neuen Entwicklung in Form einer Bürgerversammlung, die auch von den Kritikern mitgestaltet wird
- Alternativen zu den bisherigen Vorstellungen müssen dargestellt und geprüft werden.
Auch die Anwohner haben das Recht angehört zu werden.
Dieser Leserbrief wurde von 38 Geschäftsleuten, Immobilienbesitzern und Anwohnern unterzeichnet. Die Namen liegen der Redaktion vor.
Der Gesprächskreis Innenstadt ist eine überparteiliche Initiative von Geschäftsleuten, Immobilienbesitzern und Anwohnern der Hanauer Innenstadt. Er wurde im Sommer 2006 ins Leben gerufen. Themen sind z.B.: Probleme der Hanauer Innenstadt, Stadtentwicklung oder der Einzelhandel. Er bietet ein Forum für Interressierte und Fachleute um Lösungen und Denkanstöße zur Weiterentwicklung der Innenstadt zu suchen. Hier wird über die großen, wie die kleinen Themen gesprochen. Zu den Gesprächsabenden wird themenbezogen in unregelmäßigen Abständen eingeladen.
